Pfarrkirche Heilig Blut

Die Stelle der Heilig Blut Kirche hat vorzeiten eine ältere Kirche eingenommen. Diese Kirche war 1392 zur Pfarrkirche erhoben worden. Schon der Bau dieser älteren Anlage dürfte mit dem Bau der nahen Burg Trausnitz in Zusammenhang gestanden haben.

Deutlicher weisen die Ursprünge der heutigen, spätgotischen Kirche auf die Beziehungen zur nahen Residenz der Landesfürsten hin: Sie wurde während der Regierungszeit Herzog Heinrichs des Reichen, zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbaut. Ein Schlussstein im östlichen der beiden Gewölbejoche der Sakristei trägt das herzogliche Wappen. Mit Stiftungsbrief vom 21. Dezember 1445 ließ Herzog Heinrich auf der "Paarkirchen", auf der Empore der Kirche, zu Ehren "Unserer Lieben Frauen Schiedung" einen eigenen Altar aufstellen, "Daß sie uns beständig sey in unserer Verschiedung". Im gleichen Jahr stattete der Herzog jeden der vier Altäre der Kirche mit einem Benefizium aus; 1449 stiftete er ein fünftes.

Die zwei Rundtürme von Heilig Blut, die einzigen im ganzen Land, sind möglicherweise das Ergebnis einer künstlerischen Fernwirkung: Sie erinnern an die frühen Rundtürme von Oberitalien und damit an die Heimat der Mutter Herzog Heinrichs des Reichen, der Magdalena Visconti von Mailand. Die Kirche Heilig Blut steht vor uns wie zu Zeiten Herzog Heinrichs: Ein einschiffiger, gewölbter Saalbau mit einer dreischiffigen, zwei Gewölbejoche langen Westempore, einem großen Altarraum, der etwas schmäler ist als das Langhaus, neben ihm eine Sakristei von zwei Jochen. Das eine Joch der Sakristei, durch das die Türe in der Kirche führt, wurde gleichzeitig mit der Kirche gebaut, das andere, das sich östlich anschließt, kam später hinzu, als diese ursprüngliche Sakristei nach den Benefizstiftungen durch Herzog Heinrich den Reichen zu klein geworden war.

Den Westgiebel flankieren seit den Zeiten Herzog Heinrichs die zwei eigenartigen Rundtürme, zwischen ihnen die zweigeschossige Vorhalle: das gotische Mauerwerk hat sich erhalten, die alte Ausstattung ist längst verloren

Die gotische Ausstattung wurde ein Opfer der Barockisierung. Von ihr ist nichts erhalten als ein kunstvoll gefasster Kreuzpartikel, eine hervorragende spätgotische Goldschmiedearbeit aus dem Jahr 1505: "Das Kricz hat gemacht Melchier Bos Goldschmid zvo Nördling 1505." Dieses Kreuzreliquiar hat die Form eines Kreuzes, das auf einem breiten Vierpaß-Fuß steht. Der winzige Partikel selbst befindet sich in einem länglichem Behälter, der an der Kreuzstelle der beiden Arme angebracht ist. Drei Engel halten ihn. Die kleeblattförmigen Enden der Kreuzarme sind durch figürliche Reliefs geschmückt. Der obere Dreipaß zeigt Maria mit dem Kind, der linke den heiligen Augustin, der rechte den heiligen Benedikt und der untere die heilige Veronika mit dem Schweißtuch. Dieses Kreuzreliquiar ist die kostbarste alte Goldschmiedearbeit in Landshut.

Eine andere Besonderheit der Heilig-Blut-Kirche aus dieser Zeit sind ihre Grabdenkmäler aus gebranntem Ton. Die Buchstaben dieser Grabplatten sind erhaben herausgearbeitet. Alois Staudenraus hat 1835 in seiner topographisch-statistischen Beschreibung der Stadt Landshut noch acht solcher Grabsteine beschrieben. Heute sind nur noch drei Platten zu sehen, zwei an der südlichen Außenmauer.

Die barocke Ausstattung der Kirche hat man bis auf das Abschlussgitter unter der Orgelempore um 1880 wieder entfernt. Damals erhielt die Kirche ihre drei neugotischen Altäre. Der barocke Kreuzweg kam erst bei der letzten Restaurierung im Jahr 1965 hinzu. Mehrere Grabsteine und das Wappen am Abschlussgitter weisen darauf hin, dass die Pfarrkirche Heilig Blut einst zur Hofmark Berg gehört hat, deren Inhaber seit 1733 die Herren von Chlingensperg waren.

Gekürzter Auszug aus "Landshut die alt-bayerische Residenzstadt. Historischer Stadtführer" von Hans Bleibrunner

Maria Bründl

Von der Heilig-Blut-Kirche führt der Weg stadtauswärts zur Bundesstrasse nach Geisenhausen. Wir überqueren sie, folgen dem Brünnlweg und kommen zur barocken Wallfahrtskirche Maria Brünnl.

Hier fand am 30. September 1661 der Landshuter Riemer Thomas Amplatz eine Quelle. Vier Wochen später stellte er eine Kreuzsäule auf, an der er ein Abbild des Gnadenbildes von Maria Hilf von Passau befestigte. Über der Kreuzsäule entstand eine Kapelle aus Holz, 1666 eine solche aus Stein. Im Jahr 1719 ließ der Pfarrvikar von Heilg Blut Georg Christop Pexenfelder die heutige Kirche erbauen; 1720 wurde sie geweiht. Schon damals, 60 Jahre nach dem Entstehen der Wallfahrt, waren einige Legenden über Wunderheilungen an die Stelle der verlorenen Kenntnis über den Ursprung der Wallfahrt getreten.

Noch waren seit Entdeckung des neuen Brunnens und der Aufstellung der Kreuzsäule keine zwei Jahre verstrichen, da kam Kurfürst Ferdinand Maria (1651 bis 1679) im April 1663 auf einer Wallfahrt nach Altötting mit seiner Familie durch Landshut und stattete dem "Brünnl" einen Besuch ab. Der Gründer der Wallfahrt Thomas Amplatz traf die Vorbereitungen: Er zündete Kerzen an, breitete Teppiche aus und schmückte seine kleine Holzkapelle so gut er konnte. Vor allem sorgte er auch dafür, dass dieses Ereignis in Landshut nicht unbekannt blieb und dass sich eine größere Menge Volkes dazu einfand. Der Kurfürst und sein ganzes Gefolge tranken aus einem vergoldeten Becher Wasser vom Gnadenbrunnen und setzten nach verrichteter Andacht die Reise fort.

Die Ausstattung der Kirche zog sich über einen längeren Zeitraum hin. Der Hochaltar wurde 1726 aufgestellt; 1745 kam der Seitenaltar hinzu. Gefasst hat ihn der Maler Franz Georg Fischer. Vermutlich stammen von ihm auch das Altarblatt des Seitenaltars, das die Krönung Mariä darstellt, und die Deckengemälde. Georg Franz Fischer war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein vielbeschäftigter Landshuter Maler. 1764 erhielt das Gnadenbild am Hochaltar, eine Kopie des Passauer Maria-Hilf-Bildes, den vergoldeten Kupferrahmen, der es heute noch ziert. 1793 finden wir den Bildhauer Christian Jorhan in der Brünnlkirche tätig.

1795 stellte der Schreinermeister Zimmermann gegenüber dem Seitenaltar die Kanzel auf. Schon vorher war die Kirche mit einer schönen Orgel, die sich ebenfalls mitsamt ihrem mechanischem Werk erhalten hat, ausgestattet worden.

1808 ließ der Pfarrer von Heilig Blut die vielen Votivtafeln und Weihegaben, die von den Wallfahrern gestiftet worden waren, als "allerhand alberne Sachen" entfernen. Auch die barocken Wandmalereien ließ er übertünchen. Die drei Hauptgemälde im Gewölbescheitel wurden bei der Restaurierung der Kirche 1968 wieder freigelegt. Das mittlere zeigt das Maria mit dem Kind als Beschützerin der ihr zu Füßen liegenden Stadt Landshut. Die beiden anderen Gemälde sind auf die heilige Maria bezüglich allegorische Darstellungen.

Neben der Eingangstür hängt eine Votivtafel, die der Landshuter Kunstmaler Franz Högner nach dem letzten Krieg in die Kapelle gestiftet hat. Sie zeigt einen Angriff amerikanischer Bombenflugzeuge auf Landshut mit einer Inschrift, die den 1945 ums Leben gekommenen Landshutern gewidmet ist.

Gekürzter Auszug aus "Landshut die altbayerische Residenzstadt. Historischer Stadtführer" von Hans Bleibrunner

Salzdorf

Das alte Salzdorfer Kirchlein ist dem Gedächtnis der hl. Ottilia geweiht. Seine Anfänge stammen aus romanischer Zeit. In der Blütezeit der Landshuter Gotik um das Jahr 1480 wurde der Chor erweitert und der schöne mit Spitzbogenblenden verzierte Sattelturm angebaut. Er enthält zwei Glocken aus spätgotischer Zeit und ist wahrscheinlich schon beim Bau etwas "in Schieflage geraten".

Die Innenausstattung birgt einige schöne Stücke gotischer und barocker Herkunft. Das Bild der hl. Ottilia im Hochaltar ist aus Ton gefertigt.

Im Zusammenhang mit der Verehrung der Hl. Ottilia als Schutzpatronin bei Augen­krankheiten gab es noch im 19. Jahrhundert große Wallfahrten, vor allem zur "Salzdorfer Kirchweih" am 2. Sonntag im Oktober. Heute sind in der Regel nur noch drei jährliche Gottesdienste in Salzdorf: zum Felderumgang, zum Patrozinium und zur Kirchweih. Durch das Eisengitter ist es meist möglich, die Kirche offen zu halten.

Im übrigen gehört Salzdorf erst seit 1862 zur Pfarrei Hl. Blut.

Berndorf

Die kleine Laurentiuskirche in Berndorf gehört zu den ältesten Kirchengebäuden in der Umgebung. Ein spätromanischer Bau um das Jahr 1250 mit einem für die damalige Zeit typischen Chorturm. Die beiden Kirchenpatrone - Laurentius und Andreas - weisen auf das hohe Alter des Kirchleins hin. Das Portal an der Südseite stammt aus der Erbauungszeit. Der schmiedeeiserne Beschlag der Türe ist spätgotisch. Im Turm hängen zwei Glocken, die in die Jahre 1471 und 1520 datiert sind.

Im Barock hat man größere Fenster eingefügt, die im Bild etwas stören. Aus der gleichen Zeit stammt der bäuerliche, aber schöne Hochaltar.

Regelmäßige Gottesdienste in Berndorf sind nur zu den Gedenktagen der Kirchenpatrone. Leider muss die Kirche sonst verschlossen bleiben. Frau Maria Pöschl vom benachbarten "Wimmer-Anwesen" betreut das Kleinod.